Sara Thrämer

Eine intensive Zeit

Am 14. Mai 2015 haben sich fünf Familien auf den Weg nach Lauenburg an der Elbe gemacht. Nachdem alle ein Zimmer in der Jugendherberge "Zündholzfabrik" bezogen hatten, hieß es, sich gegenseitig kennenzulernen. Zusammen mit Nora und Lea (Psychologinnen) spielten wir verschiedene Kennenlernspiele. Die Kinder durften danach mit den beiden auf eine große Reise gehen. Sie flogen nach Afrika um die Bindungen untereinander zu intensivieren.

Beim gemeinsamen Spaziergang durch den Ort Lauenburg hatten alle sehr großen Redebedarf. Die Gruppe hatte sich gefunden und die ersten intensiven Gespräche entstanden. Am Abend bekamen wir Besuch von Eltern eines transplantieren Jungen, der mittlerweile schon mehrere Jahre mit seinem neuen Organ lebt. Es war sehr interessant sich mit der Familie Heuberg auszutauschen. Am Freitagvormittag gingen alle Kinder auf eine Expedition der Gefühle. Jedes Kind baute sich eine Trommel und sie redeten über Gefühle.

Was sind Gefühle?

Wie fühle ich mich, bei Freude, Wut, Trauer,....?

Lea und Nora haben mit viel Empathie die Kinder dazu gebracht, sich ihnen gegenüber zu äußern. Für die Erwachsenen war das eigentliche Geprächsthema: "Geschwister haben`s manchmal schwer". Walburga (Dipl.-Sozialpädagogin) war aber sehr flexibel und ging auf unsere Fragen ein, so dass wir kaum über Geschwister geredet haben. Wir haben uns viel über Alltagssituationen mit dem transplantierten Kind unterhalten. Wie verhält sich eine andere Familie in der Situation. Der rege Austausch brachte viele neue Erkenntnisse für das eigene Kind.

Danach begann für uns alle zusammen unsere große Abenteuerreise. Es heißt, packt euch alle Wechselsachen ein, es könnte sein, dass ihr nass werdet.

Mit dem Zug ging es von Lauenburg nach Bienenbüttel. Gestärkt durch das Lunchpaket und ein Eis zwischendurch ging es zur Ilmenau. Dort wurden die Kanus und Schwimmwesten verteilt, und es lagen 22Km Paddeln vor uns. Nach den ersten 5Km mussten zwei Insassinnen eines Kanus ihre Wechselsachen leider schon anziehen. In der Halbzeit empfing uns Katja mit sehr liebevoll zubereiteten kleinen Kuchen im Weckglas, Eis aus Wackelpudding und Getränken. Frisch gestärkt hieß es weiterpaddeln. Am Ziel angekommen (Lüneburg) fuhren die Kinder mit Wolfgang und Katja wieder zurück und wir nahmen den Zug.

Nach einem tollen Grillabend gingen alle sehr müde und kaputt schlafen.

Samstagmorgen fuhren alle Kinder gemeinsam mit Katja, Gisela und Wolfgang in die Schule. Zusammen mit Gabriele (Diätassistentin) haben sie eine Ernährungspyramide aufgebaut und für uns Eltern ein Drei-Gänge-Menü gekocht.Während die Kinder kochten hatten wir Besuch von Annett (Psychologin). Ihr Sohn wurde vor 12 Jahren Herztransplantiert. Auch sie war flexibel und hielt nicht an Ihrem Thema: "Eltern - auch wir brauchen Zeit für uns" fest. Für uns waren Fragen wie Ernährung, Schule, Sport, usw. wichtiger. Unsrer Fragen beantwortete sie alle sehr gewissenhaft, und einige dachten hinterher: "Oh mein Gott, ich sollte etwas lockerer mit unserer Situation umgehen".

Nach einem kurzen Spaziergang zur Schule wurden wir alle sehr freudig und stolz von unseren Kindern empfangen. Es gab als Vorspeise Pizzabrötchen und Salat, als Hauptgericht Nudeln mit Hackfleischsoße und als Dessert haben sie einen Obstsalat-Quarkcreme-Crumble gezaubert. Die Kinder haben sehr lecker gekocht.

Zurück in der Jugendherberge gingen die Kinder mit Nora und Lea wieder auf Expedition. Sie wurden Höhlenforscher und schärften ihre eigenen Sinne. Beim Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen, sollten sie sich auf Neues einlassen. Mit verbundenen Augen haben sie sich führen lassen und geführt. Auf ihren eigenen Trommeln durften sie Ihren Gefühlen freien Lauf lassen und Ihre Wut und Freude darauf ausdrücken. Zu guter Letzt hat jedes Kind ein Holzbrett mit eigener Kraft zerschlagen. Nora und Lea erzählten uns, wie gut sich unsere Kinder auf Ihre eigenen Gefühle einlassen konnten.

Wir Erwachsenen beschäftigten uns mit dem Thema Sozialrecht.

Themen wie: "Inklusion in der Schule, Kur & Reha, Behindertenausweis und Pflegestufe" wurden angesprochen. Walburga und Sandra (Dipl.-Sozialarbeiterin) waren offen für unsere vielen Fragen.

Der letzte Abend war angebrochen und bei gemütlichem Zusammensitzen ließen wir ihn ausklingen.

Am Sonntag hieß es leider schon wieder Koffer packen. Das Wochenende war für uns alle sehr informativ. Es entwickelten sich neue Freudschaften und jeder ist für weitere Fragen offen.

An dieser Stelle eine großes Lob und Dankeschön an Wolfgang für die sehr gute Organisation. Es stimmte alles. Auch ein Dankeschön an Gisela und Katja.

Nach einem gemeinsamen Abschlussessen trennten sich leider unsere Wege. Einige waren traurig, den neu gewonnenen Freund wieder gehen lassen zu müssen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Dieses Wochenende war eine große Bereicherung für alle Familien mit einem organtransplantierten Kind.

 

Und hier gehts zum nächten Termin in Lauenburg: KLICK